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Nächster Testtermin:

Die nächsten Möglichkeiten zur Durchführung eines HIV-Antikörpertests bestehen am

Mittwoch, 12.09.2007
Mittwoch, 26.09.2007
Mittwoch, 10.10.2007

jeweils in der Zeit von 17 - 19* Uhr

in unserer Geschäftsstelle in Weimar. Weitere Infos zum HIV-Test gibt es hier >>>.
* Wir möchten Sie auf diesem Weg darum bitten, sich bis 18.30 Uhr einzufinden.




Der HIV- Antikörpertest

Der Anlaß, über einen Test nachzudenken, kann vielfältig sein:
  • Ängste, sich infiziert zu haben
  • Zweifel über den eigenen Immunstatus
  • Mißtrauen gegenüber dem Partner/ der Partnerin
  • Schwangerschaft oder der Wunsch danach
  • Bilanz des bisherigen Lebens
  • Drängen des Arztes
  • Drängen des Partners / der Partnerin
  • Prophylaxe nutzen wollen
  • den "Persilschein" besitzen zu wollen<
  • und andere Gründe mehr...
Wichtig aber ist vor allem die Testberatung! Sie soll Dir helfen, selbständig
eine begründete Entscheidung für oder gegen den Test zu fällen.

Es ist wichtig, die Gefahren, die ein leichtfertiger Umgang mit dem Test haben
kann, zu kennen. Sowohl von einem positiven als auch von einem negativen
Test können große psychosoziale Belastungen ausgehen:
  • extreme Angst
  • Hilflosigkeit
  • Depressionen
  • Selbstmordgedanken
  • Schuldgefühle gegenüber dem Partner/der Partnerin -
    auch bei negativem Testergebnis, wenn der Partner/
    die Partnerin infiziert und man selbst "gesund" ist...

Es ist wichtig und sinnvoll, sich mit den Vor- und Nachteilen des HIV-Antikörpertests
vertraut zu machen, die Lebenssituation kritisch einzuschätzen und selbständig eine
Entscheidung zu fällen, die man dann auch psychisch verkraften und verantworten kann.


Die medizinische Bedeutung des Tests
Der Nachweis erfolgt indirekt über Antikörper. Die Zeit bis zur Nachweisbarkeit der
Antikörper beträgt 12 Wochen nach der Infektion, im Umkehrschluß ist das die Zeit,
für die das Ergebnis zutrifft (vor 12 Wochen). Es gibt also ein diagnostisches Loch!
Dieses gilt es auszuschließen, d.h. Du mußt diese Zeit abwarten (Risikosituationen
vermeiden), bevor Du einen Test durchführen kannst. Wir als AIDS-Hilfe empfehlen
12 Wochen abzuwarten, damit der Test am aussagekräftigsten ist. Die Ergebnismit-
teilung ist nach ca. einer Woche möglich: Zeit und Geduld bis zur Mitteilung aufbringen!

Der Medizinische Wert eines positiven Ergebnisses ist begrenzt: Aus dem Nachweis
der HIV-Infektion folgt nicht notwendig eine medizinische Behandlung, solange das
Immunsystem intakt ist. Wichtig: Schutz des Partners/ der Partnerin - Safer Sex
und Safer use! Denn das Virus kann auch ohne Wissen um seine Existenz
weitergegeben werden. Verantwortung kannst Du tragen, indem Du stets Kondome
benutzt, ob nun mit oder ohne Test.


Argumente für und gegen den Test
In einer so lebenswichtigen Entscheidung hat ein Sollen oder Müssen keinen Platz!
Der Test kann nicht das Resultat der Manipulation durch Freunde, Eltern oder den
Arzt sein. Er ist eine eigene Entscheidung im Sinne von "ICH will", keine Entscheidung
aus spontanen Befindlichkeiten heraus! Die Konsequenzen sollten gut überlegt sein,
sonst besteht die Gefahr, daß auftretende psychische Belastungen nicht bewältigt
werden. "Wie geht es mir, wenn der Test positiv ausfällt?"


Was passiert mit meiner Partnerschaft, Familie, meinem Beruf ... ?

Der häufigste Anlaß zum Test ist die Angst vor einer Infektion nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr. Reaktionen bestehen aus Verdrängen oder quälenden Ängsten.
Viele versprechen sich Entlastung von der Angst, wenn sie Klarheit haben, auch dann,
wenn das Ergebnis positiv ist. Viele können mit bekannten Gefahren besser umgehen
als mit anhaltenden diffusen Ängsten.

Oft sind Ängste auch unbegründet. Übertragungswege müssen detailliert bekannt sein,
aufklärende Gespräche sind hier eine große Hilfe. Besteht kein Anlaß für Infektionsangst
und dennoch anhaltende gedankliche Beschäftigung und emotionale Belastung, kann
dies andere Ursachen haben. Hilfe suchen! Nicht jeder Viruskontakt führt zu einer
Infektion! Ein einziger Kontakt kann ausreichen, muß aber nicht. Spekulationen über
die Wahrscheinlichkeit sind nicht möglich. Das eigene Testergebnis sagt nichts über
den Partner/ die Partnerin aus!


Gründe, die nicht für den Test sprechen:
  • Aktuelle psychische Verfassung, Belastungen nach einem Verlust, Streßsituationen
  • Ein positives Testergebnis zwingt zu vielen Lebensneuorientierungen
  • Gewissheit, andere Menschen anstecken zu können
  • Partnerschaft
  • Kinderwunsch
  • bei bestehender Schwangerschaft: Abbruch ja oder nein ( Risiko für das Neugeborene
    unter 2%, wenn Kaiserschnittentbindung vor dem Einsetzen der Wehen durchgeführt
    wird, sowie Einnahme von Medikamenten gegen HIV während der Schwangerschaft)
  • Berufliche Entwicklung (z.B. Kredite und Lebensversicherungen, da diese HIV- Positiven verweigert werden)
  • Sozialrechtliche Absicherungen
  • Stigmatisierung, Diskriminierung, Angst vor Ausgrenzung und sozialen Nachteilen,
    Angst um den sozialen Status
  • Abwertender Ballast des Testes: "Moralisches Gericht", mit dem Test wird eine
    Verhaltensweise nachgewiesen, die gesellschaftlich anrüchig und tabuisiert ist,
    zwangsläufige Ettiketierung als schwul, drogengebrauchend, promisk usw.

Worauf ist unbedingt zu achten?
  • Findet eine Beratung vor dem Test statt?
  • Ist Dir die Atmosphäre angenehm? Gibt es einen Beratungsraum? Kannst Du Dich
    vertrauensvoll dem/r BeraterIn gegenüber öffnen und ALLES besprechen?
  • Du kannst eine/n BeraterIn auch ablehnen und jemand anderes verlangen.
  • Wird der Test anonym und kostenlos angeboten? Bei Hausärzten und Krankenhäusern
    ist die Anonymität nicht gegeben (Chipkarte)! Außerdem: Die Kasse entscheidet dann,
    ob der Test bezahlt werden muß.
  • Du kannst Dich bei den AIDS-Hilfen über Testmöglichkeiten beraten lassen. Bei allen
    Fragen und Problemen, die mit AIDS zu tun haben, stehen wir als verständnisvolle und kompetente Gesprächspartner zur Verfügung.
  • Ob in der telefonischen oder persönlichen Beratung: Wir nehmen uns Zeit.
  • Niemand muß befürchten wegen vermeintlich dummer Fragen belächelt zu werden,
    denn wir nehmen alle Sorgen und Ängste ernst.
  • Verschwiegenheit und Vertraulichkeit sind für uns selbstverständlich.

Sozialrechtliche Aspekte
Die Diskussion um den Test hat eine große politische Dimension: Reihenuntersuchungen,
Zwangstest, Bayrischer Maßnahmekatalog, Bundesseuchengesetz, Meldepflicht

"Totale" Lösungsversuche wie diese von Politikern in Form von Massentestung, Sexverbot
für Infizierte oder gar Internierung in den Medien gefordert werden, schüren unvernünftige
Ängste in der Bevölkerung. "Totale" Lösungsphantasien mögen tiefsitzenden Ängsten vor
Chaos und Verderben durch "regelwidrigen" Sex und Drogengebrauch entspringen, sie tragen
aber nur zur Verunsicherung der Öffentlichkeit bei, vor allem jenen Teils, der über besonders
wenig präzise Informationen verfügt. Damit wird ein unheilvoller Teufelskreis in Gang gesetzt,
der die Verbreitung von HIV beschleunigt: Irrationale Ängste behindern eine vernunftgeleitete Auseinandersetzung mit den Fakten und ein angemessenes Verhalten in Risikosituationen.

Aufklärung und Appell an die Eigenverantwortlichkeit sind daher wichtig, jeder Mensch kann
sich und andere schützen! Es gibt keine Risikogruppen, sondern nur risikoreiches Verhalten.


Fazit der AIDS-Hilfe
Ein weniger verkrampfter Umgang mit dem HIV-Antikörpertest wäre dann möglich, wenn die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen geändert würden. Die AIDS-Hilfe fordert daher, daß
alle Emanzipationsbestrebungen der Hauptbetroffenengruppen ideell, personell und finanziell unterstützt werden. Sie fordert speziell vom Gesetzgeber die notwendigen Änderungen im
Sozial-, Familien- und Strafrecht.

Die Prophylaxemöglichkeiten, die es heute bereits gibt und die sich hoffentlich bewähren und erweitern, können zu mehr Lebensqualität führen. Sie können aber auch zusätzliche Belastungen bringen: Nebenwirkungen, Bestimmung des Tagesrhythmus durch die Medikamenteneinnahme u.a.m.

Das Grundsatzargument gegen den Test war bis 1988, daß keinerlei prophylaktische Hilfen zur Verfügung standen. Dem ist nicht mehr so. Der Zugang zu den Vorbeuge- und Therapiemaßnahmen erfolgt in der Regel über den Test. Dennoch wird er immer eine individuelle Entscheidung bleiben müssen.